Autor Thema: gutefrage.net - Sie fragen, wir antworten.  (Gelesen 3302 mal)

27. Februar 2012, 10:15:58
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Frage:"Ich hoffe, Sie können mir helfen. Ein Bekannter versucht verzweifelt, sich nach jahrelanger Arbeitslosigkeit selbständig zu machen, als freier Künstler (Kameramann/Fotograf). Aufträge stehen schon an, jedoch kann er die momentan nicht annehmen, weil er keine Rechnungen ausstellen darf und Arbeitslosengeld empfängt. Als freier Künstler ist kein Gewerbeschein notwendig! Die Dame vom Arbeitsamt verlangt dies aber, ansonsten macht sie keinen Handstrich! Er wird von A nach B geschickt: Finanzamt schickt ihn zum Arbeitsamt. Arbeitsamt will Gewerbeschein. Gemeinde bestätigt, dass kein Gewerbeschein notwendig ist. IHK schickt ihn wieder zum Arbeitsamt…. Dann soll er zusätzlich eine 7-wöchige Schulung in einer Gründerwerkstatt besuchen, wo jedoch aufgrund des Großauftrags keine Zeit ist. Wie gehen wir vor? Er benötigt auf jeden Fall den Gründerzuschuss und dringend eine Steuernummer und die Anmeldung beim Finanzamt. Bitte um schnellen Rat!"

Existentia antwortet:Punkt 1: Selbstverständlich darf ein Künstler Rechnungen ausstellen. Er kann beim Finanzamt einen Nebentätigkeit anmelden, bekommt eine Steuernummer und rechnet dann seine Betriebsausgaben gegen diese Einnahmen gegen.  Er muss erst dann mit Abzügen vom Arbeitslosengeld rechnen,  wenn er mehr als 165,- Gewinn pro Monat hat.
Punkt 2: Künstler sind immer Freiberufler und können gar kein Gewerbe für Kunst anmelden. Auch die IHK ist nicht zuständig für Künstler.
Punkt 3: Wenn ein inkompetenter Mitarbeiter von der Arbeitsagentur so etwas fordert, kann eine Beschwerde beim Geschäftsführer dieser Agentur eingereicht werden. Eine Schulung indes kann angeordnet werden, bevor einem Gründungsvorhaben zugestimmt wird. TiPP: Kunst wird selten gefördert, weil die Erfolgsaussichten in der Tat eher gering sind in den meisten Fällen.
Punkt 4: Wenn Ihr Bekannter einen Großauftrag hat, warum benötigt er dann den Gründungszuschuss? Er kann sich einfach abmelden bei der Behörde und darf dann tun und lassen, was er will.

Gretchenfrage: Warum informiert sich Ihr Bekannter nicht selbst? In 4-tägigen Existenzgründerseminaren, gefördert von der bafa, werden alle gründungsrelevanten Themen ausführlich behandelt. Diese Zeit sollte sich jeder vor der Gründung nehmen. Dann erübrigen sich die Fragen wie von selbst.