Autor Thema: Businesslike? Immer  (Gelesen 1472 mal)

26. September 2014, 10:56:42

Es sei denn, Geld verdienen ist unwichtig für Sie und Sie möchten unbedingt den gewährten Berliner Schlabberlook, Ihre großen Schmuckstücke und Haarspangen wie kinderhaarreifen oder Rüschen und Schleifen, Verspieltes oder Dekolleté und Miniröckchen weiter spazieren tragen. Wenn Sie nicht im IT-Bereich, als Künstler oder in der Werbebranche unterwegs sind, katapultieren Sie sich mit Ihrem Freizeitlook selbst ins Aus. Jeder wie er mag.
Klar. Aber Geld verdienen und in Jeans und Turnschuchen rumlaufen beißt sich fast immer. Sie sind nicht Brad Pitt oder Angelina Jolie. Sie sind wie ich ein Noname, der sich an die Spielregeln halten muss. Und die lauten wie folgt:

Für die Herren gibt es nur Art alles richtig zu machen. antrazitfarbener Anzug, weißes Hemd, dezente Kravatte, schwarze gut geputzte Schnürschuhe und antrazitfarbene Socken, die keinen Blick aufs nackte Bein erlauben. Kurze Haare, glatt rasiert, keine Piercings. Und immer ein leichter guter Duft. Schaunen Sie sich einfach Managementmagazine an. So und nicht anders bekommen Sie den Job, den Sie wollen oder den Kunden, der Ihnen ein vernünftiges Einkommen beschert.

Für die Damen ist alles etwas großzügiger: Sie dürfen wählen zwischen Hosenanzug, Kostüm oder Etiukleid mit Mantelblazer darüber. Dezente unifarbene Bluse, langärmlig, musterfrei. Der oberste Knopf darf offenbleiben, Dekolleté oder nackte Arme wie auch Beine (selbst im Hochsommer) sind ein Tabu. Allenfalls im eigenen Büro, wenn kein Kunde in Sicht ist, darf die Jacke abgelegt werden. Sowie Sie aber auch nur zur Toilette gehen, ist das Jacket wieder Pflicht.
Kurze Haare machen jünger und wirken fast immer gepflegter. Lange Haare müssen in jedem Fall zu einer eleganten und gepflegten Hochfrisur gebunden werden (kein Lehrerinnenzusammengefriemellook also), das macht Arbeit und kostet Zeit. Ab 40 wirken lange Haare zudem fast immer so als ob Sie wollen und nicht können. Altbacken. Und Sie drücken aus, dass Sie nicht veränderungsbereit sind. Wer wirklich flexibel ist, drückt dies auch, gerade als Frau, in wechselnden Frisuren, Längen und vielleicht sogar Haarfarben aus. Aber Vorsicht: knallrot ist ebenso wie blau oder wasserstoffblond fast noch schlimmer als im T-Shirt rum ulaufen. Großer und zu viel Schmuck gilt als billig und stillos. Tragen Sie entweder Kette oder Ohrringe, entweder Ring oder Armband. Weniger ist hier mehr. Große klobige Teile gehören allenfalls in Ihren Feierabend. Das gilt auch für große Strickware oder die ach so beliebten Tücher. Ein Twinset aus einem Seiden-Kaschmir-Gemisch zu elegnatem Rock oder Stoffhose kann indes durchaus erlaubt sein. Voraussetzung, es enthält nur dezenten Farben und ist uni. Jede Art von Muster gehört in den privaten Bereich, aber nicht in den Arbeitsalltag. Stiefel, Sandalen, Slipper, Turnschuhe und Ballerinas lassen Sie als Weibchen erscheinen. Wenn Sie dann noch blond sind, können Sie gleich als Bäckereiverkäuferin arbeiten.
Schauen Sie sich Frauen in Führungsetagen an. Sie werden zu 90% den klassischen Hosenanzug mit Bluse und dunkle Lederschuhe mit kleinem Absatz finden. Schmuck sollte immer im fast unsichtbaren Bereich liegen. Klunkern und jede Art von Auffälligkeit gehören nicht ins Büro.
Und wenn Sie sich dann die ganze Woche an all diese Regeln artig gehalten haben, dann dürfen Sie sich auf den casual friday freuen oder gleich aufs Wochenende. Möglicherweise verzichten Sie aber auch dann auf Blümchen und Volants, weil Sie festgestellt haben, dass Sie mit der entsprechender Garderobe ein anderer Mensch geworden sind. Einer den man höflich und respektvoller behandelt. Kleider machen Leute. Menschen aber nicht.